Tagebuch

18. Dezember 2009

nn

Kulinarischer Adventskalender
Rabbiner Nachama kocht koschere Latkes
Manuela Blisse

Prominente verraten auf Morgenpost Online ihre Lieblingsrezepte für die Weihnachtszeit. Heute kocht Rabbiner Andreas Nachama in der Küche des Sternekochs Björn Alexander Panek koschere Latjkes. Die jüdischen Kartoffelpuffer gehören zum Chanukka-Fest zwingend dazu. Doch Nachama macht Ausnahmen bei der Zubereitung.

Björn Alexander Panek kennt das. Koscher kochen bedeutet, dass auch die Küche koscher sein muss. "Dafür braucht man viel Wasser", sagt der Küchenchef des Adlon-Restaurants "Gabriele", der schon einmal für eine Veranstaltung koscher gekocht hat. Alle Arbeitsflächen und -geräte müssen mit kochendem Wasser gereinigt werden.

Es ist Chanukka, das jüdische Lichterfest. Rabbiner Andreas Nachama ist zu Gast in der Küche des Sternekochs. Professor Nachama, auch geschäftsführender Direktor der Stiftung Topographie des Terrors und Publizist, macht eine Ausnahme. "Heute kochen wir nur 'kosher style' oder 'jewish style'", schmunzelt er. Es soll Latkes geben.

[...] "Acht Tage lang wird jeden Nachmittag, wenn es dunkel wird, eine Kerze angezündet", erzählt der Rabbi. "Dann sitzt man gemeinsam um den Chanukka-Leuchter, erzählt Geschichten und isst." Gegessen wird vor allem Ölhaltiges: Nüsse, Nusskuchen und eben Latkes.

Chanukka erinnert an die Wiedereinweihung des zweiten jüdischen Tempels in Jerusalem im jüdischen Jahr 3597 (164 v. Chr). In dem Tempel sollte die Menora, ein Leuchter, niemals erlöschen. Jedoch, so heißt es, gab es nach der Eroberung der Syrer nur noch einen Krug mit geweihtem Öl, das gerade einmal noch für einen Tag reichen würde. "Auf wundersame Weise aber hat das Licht acht Tage gebrannt", erklärt Nachama, der vier Jahre lang Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin war.

Latkes werden in Öl ausgebacken, in viel Öl. "Frittiert", wirft Panek ein, der ein neutrales Öl wie Rapsöl bevorzugen würde. Nachama hingegen setzt auf Olivenöl. Bei der Kartoffelsorte stimmt er, der gelegentlich Latkes selber zubereitet, dem Küchenchef zu. "Man sollte eine mehlig kochende Sorte verwenden, so braucht man weniger Mehl", rät Panek.

Die Latkes sind wahrscheinlich das unkomplizierteste und schnellste Gericht des Kulinarischen Adventskalenders: 10 Minuten Vorbereitung, 10 Minuten Zubereitung - fertig. Nachama verfolgt mit Kippa auf dem Kopf, Schürze und kritisch-amüsiertem Blick, wie der Sternekoch eine solch einfache Hausmannskost zubereitet, assistiert ihm aber gern.

[...] Der 58 Jahre alte Rabbiner kennt die Kartoffelpuffer seit seiner Kindheit. "Latkes sind ein volkstümliches Essen, und es gibt kein Chanukka ohne Latkes", sagt er. So werden sie auch in diesem Jahr in seiner Gemeinde, in der Synagoge Hüttenweg, an jedem Tag des Lichterfestes gemacht.

"Die Gemeinde hat rund 220 Mitglieder, das sind jede Menge Latkes", sagt Nachama. Mehr als zwei sollte man allerdings nicht essen. Sie sind, so der Rabbi, mächtig und sehr sättigend. Durch sein Amt als Rabbiner findet für ihn das Lichterfest denn auch vornehmlich in seiner Gemeinde statt. Privat, verrät er, werde eigentlich gar nicht gefeiert, seit seine beiden Söhne aus dem Haus sind.

Nachama sieht sich als liberalen Zeitgenossen. So steht er auch einem mit dem Weihnachtsfest verbundenen Gänsebraten unorthodox gegenüber. "Eine Gans, warum nicht? Solange sie nicht mit Speck ummantelt ist, ist das koscher", meint er. Außerdem gebe es, zumindest in den USA, bereits eine Öko-Koscher-Bewegung mit Qualitätssiegel, die er mit sechs anderen Rabbinern vor rund zehn Jahren begründet hat.

Auch an Weihnachtsbäumen finde er Gefallen, wenn sie auch nicht in die jüdische Welt gehörten, verrät Nachama. "Schön daran finde ich die Kerzen, sie erleuchten die Welt", sagt er und erinnert an den Chanukka-Leuchter und dessen Licht, das in die Welt getragen wird, um sie zu verbessern.

Panek hat die Latkes inzwischen aus der Pfanne genommen und auf Küchenpapier gelegt, damit das überschüssige Öl aufgesogen werden kann. "Sie sehen aus wie zu Hause", kommentiert Nachama das Ergebnis. Das mag ein Kompliment sein, ein Spitzenkoch aber muss auch seine Ehre verteidigen. "Würde ich sie im Restaurant servieren, würde ich den Teig nicht löffelweise in die Pfanne geben, sondern in einem Metallring braten, damit die Form stimmt", lässt es sich Panek nicht nehmen zu antworten.

Es ist an der Zeit, das Ergebnis zu verkosten. Wie er Latkes denn am liebsten esse, will der Sternekoch von seinem Küchen-Gast wissen. Der Rabbi bevorzugt eine recht puristische Version: Latkes nur mit Zucker. Auch beim Geschmackstest spricht Nachama sein höchstes Lob aus. "Sie schmecken wie bei meiner Mutter", lobt er sichtlich zufrieden.

Persönliche Wünsche zu Chanukka treiben den Rabbiner nicht um. Vielmehr ist es eine Hoffnung für die ganze Welt. "Ich wünsche mir, dass der gerade mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete US-Präsident, nach den Worten des Propheten Sacharja, nicht durch Macht und Kraft, sondern durch seinen Geist und mit friedlichen Mitteln handelt", sagt Nachama. Dann verabschiedet er sich mit einem "Happy Chanukka", aus der Küche des "Gabriele".


20. Oktober 2009

BZ

Rot-Rot streitet um Schwanenwerder
Katrin Lange und Stefan Schulz

Auf Schwanenwerder kehrt keine Ruhe ein. Erst laufen viele Inselbewohner Sturm gegen den futuristischen Neubau der Graft-Architekten an der Inselstraße 34, der wie ein Ufo inmitten der alten Villenlandschaft daherkommt
Jetzt geht der Streit über die Bebauung des ehemaligen Geländes für Jugenderholung im Abgeordnetenhaus weiter. Die Linke setzt sich nun dafür ein, dass es eine Waldfläche bleibt und nicht bebaut wird.

[…]"Uns geht es nicht um eine bloße Ablehnung, sondern darum, eine Diskussion anzustoßen, was die Geschichte der Insel angeht", sagte der stadtentwicklungspolitische Sprecher der Linke-Fraktion, Thomas Flierl. Die Grundstücke, um die es geht, waren einst angelegt als Gemeinschaftsfläche der Inselbewohner. Später kaufte NS-Generalbauinspektor Albert Speer das Grundstück und legte einen Bunker an. Flierl: "Wir sollten jetzt prüfen, was mit diesem Havelraum geschieht, um keinen Fehler zu machen, wenn wir dort Bebauung erlauben."
Deswegen gibt es jetzt den Vorschlag einer Open-Air-Ausstellung. Mit Infotafeln soll an den "Ort von Residenzen führender NS-Machthaber und als Gegenstand der Ausraubung des jüdischen Bürgertums" erinnert werden, schlagen Norbert Kampe (Haus der Wannsee-Konferenz), Andreas Nachama (Stiftung Topographie des Terrors) und Christine Fischer-Defoy (Verein Aktives Museum) vor. […]


18. Oktober 2009

TSP

Linke erinnern an Insel der NS-Bonzen
Streit um Bebauungsplan auf Schwanenwerder
Fatina Keilani

Über die Zukunft des Südteils der Insel Schwanenwerder bahnt sich Streit an. Wo früher Kinder und Jugendliche Ferien machten, sollen Villen entstehen; ein Bebauungsplan ist in Arbeit.
(...) Der stadtentwicklungspolitische Sprecher der Linken, der frühere Kultursenator Thomas Flierl, will Infoschilder aufstellen lassen. So könnten Fußgänger sich während über „Residenzen der NS-Führung in Berlin“ informieren. An Flierls Seite befinden sich Andreas Nachama von der Stiftung Topographie des Terrors, Norbert Kampe von der Gedenkstätte Haus der Wannseekonferenz und Christine Fischer-Defoy vom Verein Aktives Museum. Sie schlagen vor, eines der Grundstücke als Standort für eine Freiluft-Ausstellung zu nutzen, um Schwanenwerder als „einen der landschaftlich, siedlungsgeschichtlich und historisch herausragenden Orte in der Region zu schützen und im Charakter zu erhalten“. […]

 

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