Tagebuch

 

02. Dezember 2010

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Nachama für Neugestaltung der Berliner Martin-Luther-Gedächtniskirche

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Fotos: A.N.

Berlin (epd). Der Direktor der Stiftung "Topographie des Terrors", Andreas Nachama, hat sich für eine Neugestaltung der für ihre NS-Symbole bekannten Martin-Luther-Gedächtniskirche in Berlin ausgesprochen. Sinnvoll wäre eine weitere Nutzung als Kirche oder "Gemeindesaal, der auch als Kirche genutzt werden kann", erklärte Nachama am Donnerstag in Berlin auf einer Veranstaltung zum 75-jährigen Bestehen des Sakralbaus.
Andere Vorschläge wie die Einrichtung eines kirchengeschichtlichen Museums oder eine kulturelle Nutzung des 1935 eingeweihten Baus halte er dagegen unter anderem wegen der abgelegenen Lage für weniger erfolgversprechend.

Es müsse darum gehen, "die Kirche weiter als Sakralbau zu nutzen, ohne diesem Bildprogramm unterworfen zu sein", sagte Nachama mit Blick auf die reichhaltige NS-Ikonographie.

Dazu sollte ein aus transparenten Materialien gänzlich neu gestalteter kleinerer Innenraum als Kubus geschaffen werden, der es zulässt, durch geschickte Lichttechnik den dahinter liegenden alten Kirchenraum zu erahnen. Außerhalb der Gottesdienst- oder Veranstaltungszeiten könne der alte Kirchenraum mit seiner NS-Symbolik besichtigt und erfahren werden.

Der das Schiff umspannende "Triumphbogen" besteht aus rund 800 Ornamentplatten. Darauf sind neben christlichen Symbolen unter anderem auch Köpfe von Soldaten mit Stahlhelmen, ein SA-Mann sowie das Symbol der NS-Wohlfahrt zu sehen. Angebrachte Hakenkreuze wurden nach dem Krieg entfernt. Das Kanzelrelief zeigt Jesus umringt von einer "deutschen Familie", daneben ein Soldat mit Stahlhelm und ein SA-Mann in Stiefeln. Ähnliches findet sich auf dem Taufstein.
Nachama sprach sich für einen Architekturwettbewerb aus, für den unter anderem die Nutzungsanforderungen "für den neuen Saal" und die "Konservierungsbedingungen für das historische Bildprogramm" formuliert werden. Die Kirchengemeinde bekäme durch die Neugestaltung des Innenraums einen zusätzlichen Saal, ohne mit der NS-Symbolik im Gottesdienst oder bei Veranstaltungen konfrontiert zu sein. Zudem stünde dem Stadtteil Mariendorf ein zusätzlicher Saal für kulturelle Nutzungen zur Verfügung und das historische Dokument würde weitgehend erhalten und "erfahrbar".
Die in Teilen baufällige Kirche ist seit 2004 geschlossen und wird von der Gemeinde nur noch selten zu Gottesdiensten genutzt. […]


03. September 2010

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»Eine Bekenntnisgemeinschaft«
Rabbiner Andreas Nachama über Abraham, Gene, Biologie und blonde Juden
Das Gespräch führte Detlef David Kauschke

Herr Rabbiner, Sie haben in einem Beitrag für die Jüdische Allgemeine über das israelische Konversionsgesetz geschrieben, dass im Sinne einer modernisierten Halacha auch die Religionszugehörigkeit des Sohnes eines jüdischen Vaters anerkannt werden sollte. Dies sei zum Beispiel »per Gentest« zu belegen. Was haben Sie damit gemeint?
Das bezog sich selbstverständlich allein auf die Möglichkeit eines Vaterschaftsnachweises. Heutzutage passiert das mithilfe der sicheren Methode eines Gentests. Mir ging es keinesfalls um das jetzt heftig diskutierte »jüdische Genom«.

»Alle Juden teilen ein gemeinsames Gen«, hat Thilo Sarrazin in einem Interview mit der »Welt am Sonntag« gesagt. Unsinn?
Ja, das ist in dieser Form Unsinn. Die Herkunft von Abraham als dem Vater aller Gläubigen ist eine intellektuelle, die sich durch die Bibel definiert. Jeder, der ins Judentum aufgenommen wird, ist damit ein Sohn oder eine Tochter Abrahams - im inhaltlichen Sinn, nicht in einem biologischen. Das gilt somit auch für das jüdische Volk insgesamt. Es gibt dunkel- oder hellhäutige, schwarzhaarige und blonde Juden. Daran kann man sehr deutlich erkennen, dass es sich nicht um eine geschlossene biologische oder ethnische Gruppe handelt.

Wie beurteilen Sie als Historiker die Sarrazin-Debatte?
Ich würde dessen Thesen nicht auf die Rassentheorie der Nationalsozialisten beziehen. Jede Form der naturwissenschaftlichen Herkunftsforschung ist nur sehr begrenzt aussagefähig, wenn überhaupt. Die zahlreichen muslimischen Völker sind genauso unterschiedlich wie die europäischen. Und der Islam ist wie das Judentum eine Bekenntnisgemeinschaft, keine erbbiologische.

Gilt das auch für das sogenannte Priester-Gen, in dem einige Wissenschaftler die direkte Erbfolge der Söhne Aarons bis zu den heutigen Kohanim festgestellt haben wollen?
Ich halte das für absoluten Quatsch. Das ist lediglich eine Behauptung, die immer mal wieder durch die Presse geistert.

In Israel soll sogar der amtierende Innenminister Eli Yishai schon einmal vom »jüdischen Gen« gesprochen haben.
Das ist sicherlich nicht mehr als Wunschdenken. Man hat das jüdische Volk im 19. Jahrhundert als »Rasse« erfunden, und manch einer würde das gerne als ethnische Identität grundieren. Aber die kann man nicht einfach so herbeireden. Eine Unwahrheit wird auch dann nicht zur Wahrheit, wenn man sie nur oft genug wiederholt.


24. August 2010

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"Topografie des Terrors" in Berlin eröffnet neue Dauerausstellung
Das Dokumentationszentrum "Topographie des Terrors" hat eine neue Dauerausstellung zur historischen Rolle Berlins als Hauptstadt des "Dritten Reiches" eröffnet. In der Ausstellung entlang der ehemaligen Mauer an der Niederkirchnerstraße werde die NS-Politik und ihre Folgen für die Stadt und ihre Bevölkerung thematisiert, sagte der Direktor der" Stiftung Topographie des Terrors", Andreas Nachama. Gezeigt werde, wie es den Nationalsozialisten gelungen sei,  im "roten Berlin" Fuß zu fassen und die Stadt zum politischen Zentrum ihrer Herrschaft auszubauen. - Seit der Eröffnung im Mai kamen in das Berliner Dokumentationszentrum auf dem früheren Gestapogelände nach Angaben Nachamas 220.000 Besucher.


24. August 2010

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Trilogie der Topographie komplett mit »Berlin 1933-1945«
Karlen Vesper

[…]
Andreas Nachama, Geschäftsführender Direktor der Stiftung Topographie, präsentierte eine neue Dokumentation. »Berlin 1933-1945« ist der dritte Teil einer Trilogie auf dem Gelände seiner musealen Einrichtung. Neben der Beredsamkeit der steinernen Relikte faschistischen Machtanspruchs und Machtwahns, der Zentralen der Gestapo, der SS und des Reichssicherheitshauptamtes, sowie der im Mai eröffneten Ausstellung über deren verbrecherisches Wirken zeigt nun eine Open-Air-Dokumentation, wie es den Nazis gelang, Berlin zur Schaltstelle ihres Eroberungs- und Vernichtungsfeldzuges umzuzwingen und die Stadt an der Spree damit für Jahrzehnte in Verruf bei den Völkern der Welt zu bringen. [...]


19. August 2010

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Konversionsgesetz
Einfach jüdisch
Die Frage, wer Jude ist, sollte in Israel und der Diaspora pragmatisch beantwortet werden
Rabbiner Andreas Nachama

Wieder einmal gibt es einen heftigen Disput zwischen Israel und der Diaspora um religiöse Grundsatzfragen. Im Mittelpunkt steht ein Gesetz, das von der israelischen Partei Israel Beitenu eingebracht wurde. Konkret geht es um die Einlösung eines Wahlversprechens an etwa 300.000 russischsprachige Zuwanderer, die nach halachischer Sicht nicht als Juden anerkannt werden. Im Sinne des Rückkehrgesetzes durften sie nach Israel einwandern, weil sie Vorfahren jüdischer Herkunft haben. Doch diesen Status erkennt das Oberrabbinat nicht an. Nun leben sie mittlerweile seit Jahren in Israel, zahlen Steuern, gehen wählen, schicken ihre Kinder zur Armee. Doch sollte ihnen zum Beispiel bei einem Militäreinsatz etwas zustoßen, würden sie noch nicht einmal auf einem jüdischen Friedhof beigesetzt werden.

Fraglich ist, ob die Mehrheit dieser doch jüdischen Einwanderer willens ist, mit einem formellen Übertritt zum Judentum die Statusfrage zu klären, denn sie fühlen sich zu Recht als Juden. Gleichwohl wird seit Langem eine Lösung gesucht. Und die könnte das Gesetz – zumindest auf den ersten Blick – bieten, denn es sieht vor, die Entscheidung des Übertritts den lokalen Rabbinern in Israel zuzuordnen. Im Verlauf des Gesetzgebungsprozesses jedoch hat sich dieser Ansatz gewandelt und nun dem Oberrabbinat eine nie dagewesene Fülle an Möglichkeiten der Intervention eingeräumt – Konversion als ultraorthodoxes Monopol.

Einheit Die nichtorthodoxen Rabbinerkonferenzen und religiösen Organisationen der USA, die die überwältigende Mehrheit der Juden vertreten, führen gegen die restriktive Politik in Israel seit Langem einen Kampf, sind nun aber durch diese neue Initiative geschockt. Rabbiner Shlomo Moshe Amar, der orthodox-sefardische Oberrabbiner Israels, schreibt in einem Leserbrief an die New York Times, die Klageführenden hätten nichts zu befürchten, vielmehr würden die russischen Einwanderer mit jüdischen Statusproblemen von dieser Gesetzesinitiative profitieren. Hingegen wird Rivkah Lubitch, eine altfromme Rechtsanwältin in Israels rabbinischem Gerichtssystem, im gleichen Blatt mit den Worten zitiert: »Auch wenn man nicht heiraten will, nicht zu einem rabbinischen Gerichtshof geht – ganz Israel wird jetzt unterstellt, nichtjüdisch zu sein, es sei denn, man könnte das Gegenteil beweisen.«

Die Publizistin Alana Newhouse stellt ebenfalls in der New York Times richtigerweise fest, dass gegen das Gesetz nicht nur die progressiven Rabbiner protestieren sollten, denn auch die Zahl der altfrommen Rabbiner in den USA, deren Konversionen in Israel anerkannt werden, beträgt nur wenige Dutzend. Dass die israelische Regierung das Gesetz zunächst noch länger im Gesetzgebungsverfahren lässt, geht nach Aussage von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu mit dem Versuch einher, »die Einheit des jüdischen Volkes zu wahren«.

Diaspora Was könnte das Gesetz für die Diaspora bedeuten? Womöglich wäre die Mehrheit der Juden Israels keine Juden mehr. Die Diaspora kann das aushalten, denn sie hat auch zwei Jahrtausende ohne Israel überlebt. Ob Israel eine Abkehr von seinem Gründungsanspruch, eine Heimstatt für alle Juden zu sein, dauerhaft ohne Aufgabe seiner Eigenidentität überstehen würde, kann hingegen füglich bezweifelt werden. Nicht umsonst hat das von Shlomo Sand, einem Professor an der Hebräischen Universität Jerusalem, verfasste Buch Die Erfindung des jüdischen Volkes in Israel eine heftige Kontroverse ausgelöst. Denn darin wird die These aufgestellt, dass die wenigsten Juden, wenn überhaupt noch welche, faktisch von Abraham abstammen. Vielmehr sei die seit dem babylonischen Exil konstituierte Diaspora durch Konversionen, ja sogar durch jüdische Missionstätigkeit zum Judentum gekommen. Die von den Rabbinern festgelegte Definition, Jude ist, wer durch Bekenntnis zum Judentum sich von einem Rabbinatsgericht aufnehmen ließ oder Kind einer jüdischen Mutter ist, war damals pragmatisch. Es war wohl auch nötig, weil die frühen christlichen Gemeinden sich als »wahres Israel« bezeichneten und es also schnell unklar zu werden drohte, wer hierhin oder dorthin gehörte.

Heute könnte man ohne Schwierigkeiten auch den Sohn eines jüdischen Vaters bestätigen, ja in großen Teilen der jüdischen Gemeinden in den USA wird dies ganz selbstverständlich im Rahmen egalitärer Überlegungen getan. Die altfrommen Rabbiner sollten sich einen Stoß geben – statt über ein neues restriktives Gesetz nachzudenken. Sie sollten ernsthaft in Betracht ziehen, die Halacha den Möglichkeiten der Zeit anzupassen, um jeden als Juden anzuerkennen, der dies zum Beispiel per Gentest belegen kann. Und sie sollten in der Frage der Anerkennung rabbinischer Autoritäten mit den großen jüdischen Organisationen Standards festlegen. Wir haben in der Schoa genug Menschen verloren, es kann in Gegenwart und Zukunft nur noch darum gehen, Menschen im Judentum zu erhalten oder dafür (zurück)zugewinnen.

Der Autor ist Rabbiner der Synagoge Hüttenweg der Jüdischen Gemeinde zu Berlin.


10. Mai 2010

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"Die Wunde ist nun eine offene Narbe"

Tip: Herr Nachama, nach 17 Jahren ist das Dokumentationszentrum der Topographie des Terrors endlich gebaut. Mit welchem Gefühl gehen sie der Eröffnung entgegen?
Andreas Nachama: Mit Erleichterung. Wenn man über eine so lange Zeit hinweg an einem Projekt arbeitet, dann will man es auch irgendwann fertig haben. mehr


02. Mai 2010

Die Kirche Nr. 18

Die Relevanz jüdischer und christliche Gerechtigkeitsperspektiven. Rabbiner Andreas Nachama erläutert eingangs die Wächterfunktion der Juden für den Sozialstaat. Einerseits erinnert er daran, dass und wie sehr die Massenarmut in der Weimarer Republik zum Antisemitismus geführt habe, andererseits verweist er auf die Zedaka, das jüdische Wohltätigkeitsgebot. Wer soziale Kälte verbreite, so führt Nachama aus, gilt im Talmud als Häretiker. mehr


13. April 2010

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Berlin’s ‘Terror’ Exhibition Gets New Home
SALLY MCGRANE

For years, only a simple sign indicated the location of what was once the Nazi secret police headquarters in Berlin. &ldquoYou are standing on the grounds of the former torture chambers of the Gestapo,” it read. More recently, an outdoor exhibition, called “The Topography of Terror,” has marked the spot. On May 7, the exhibition is scheduled to get a new home: a glass and concrete museum and documentation center built on same site.
The building [...], which cost just over 21 million euros, about $28 million, includes exhibition spaces, a multimedia research library, and seminar rooms. A main draw will be a permanent exhibition that examines Nazism and its victims. And there will be physical reminders of the city’s past: The Berlin Wall once ran right through the area, and a section of the infamous barrier remains intact along the border of the new complex.
&ldquWhere was the center of evil?” said Andreas Nachama, the director of the Topography of Terror Foundation. “Tourists come to Berlin, and this is what they want to know.”


29. März 2010

Focus 13/2010

Wir sind kein deutsches Holocaust-Museum" betont Andreas Nachama, "in unserem Zentrumgeht es primär um Täter, die von hier aus den Mord an den europäischen Juden und auch den Terror gegen die Gegner des Regimes koordiniert haben." mehr


02. März 2010

The Vancouver Sun, 02 März 2010

New museum takes shape at heart of Nazi terror
Five years after opening a sprawling Holocaust Memorial in the heart of the city, Berlin is preparing to inaugurate a major new museum, this time targeting Nazi perpetrators.
The new Topography of Terror centre rests on the site of the former headquarters of both the feared Gestapo and Hitler's elite SS force. It replaces a provisional facility that already draws 500,000 visitors each year -- one of the top tourist draws in a city steeped in bitter history. While little remains of the original buildings, the new complex aims to explain how the Nazi persecution apparatus worked with ruthless efficiency.
"We are not here in Pompeii -- this is not about seeing the original architecture," said museum director Andreas Nachama. "Rather, it is about comprehending what went out from this place: namely the Nazi terror that spread across Germany and Europe and cost the lives of millions of people."
The $34-million museum is nearing completion ahead of its official opening on May 6, two days before the 65th anniversary of the end of the Second World War. It will be free to the public. Its two steel-and-glass storeys will include a permanent exhibition, a library and a multimedia conference centre for school groups, scholars and public talks. Information boards, photographs, documents, recordings of interviews with survivors and computer animations will illustrate how Germany went from a flawed democracy to a fascist dictatorship with a state terror apparatus in just a few years.
The 58-year-old Nachama, who is also a rabbi, historian and a former leader of the Berlin Jewish community, first came upon the disused site in the 1970s while curating an exhibition at a museum next door. His mother Lilli, a Holocaust survivor, was shocked about his new workplace: "That is the most horrible address in Berlin," he recounted. Prisoners routinely suffered brutal mistreatment during interrogations here and several were driven to suicide.


17. März 2010

junge welt

Unendliche Geschichte

Auf dem früheren Gelände der Gestapozentrale in Berlin ist das neue Dokumentationszentrum der Stiftung »Topographie des Terrors« entstanden. Am 6. Mai Eröffnung
Hans Daniel

Die Berliner Stiftung »Topographie des Terrors« hat seit dem 1.März eine neue Adresse: Niederkirchnerstraße 8 statt Stresemannstr. 111 – auf den ersten Blick eine rein technische Veränderung der Anschrift. Auf den zweiten Blick entbehrt die mit dem Umzug der Stiftung verbundene veränderte Anschrift nicht einer gewissen Symbolik: Seit 1951 trägt diese Straße, die vordem Prinz-Albrecht-Straße hieß, den Namen der kommunistischen Widerstandskämpferin Käte Niederkirchner. Am 27. September 1944 wurde sie im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück ermordet. Die Verantwortlichen dafür hatten hier bis 1945 ihren Sitz.

Dauerausstellung
Der Geschäftsführende Direktor der Stiftung, Prof. Dr. Andreas Nachama, wirkt mit seinen Mitarbeitern bereits im Untergeschoß des Neubaus für das Dokumentationszentrum, der sich in diesen Tagen dem Besucher noch ein wenig unfertig darbietet. Handwerker aller Gewerke sind innen und außen dabei, letzte Hand anzulegen. Am 6. Mai, am Vorabend des 65. Jahrestages der Befreiung vom Faschismus, soll, so sieht es der Plan vor, der Neubau feierlich eröffnet werden.

[…] Andreas Nachama ist seit langem mit diesem 4,5 Hektar großen Gelände zwischen der Wilhelm- und der Niederkirchnerstraße und dessen ganz besonderen Geschichte verbunden. Er war leitend beteiligt an der Entstehung der Dauerausstellung. Seit 1987 ist der 59 jährige Vater von zwei Kindern, der Geschichte und Judaistik studiert hat und von 1997 bis 2001 Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin war, Geschäftsführender Direktor der Stiftung.

Mehrere Anläufe
In diesen Märztagen, da man das weiträumige Gelände besser noch mit Gummistiefeln betritt, erinnert er in seinem neuen Arbeitszimmer an die zurückliegenden bewegten Jahre. An die Sprengung der Überreste der Schaltzentralen des faschistischen Terrors auf dem Prinz-Albrecht-Areal nach 1945. An die Absicht ehemals in Westberlin Regierender, das Gelände (und damit auch dessen unheilvolle Geschichte) unsichtbar zu machen. Die Natur holte sich das Gelände zurück, das Nachama als quälende, offene Wunde, als nicht aus dem Gedächtnis auszulöschenden Ort der Täter, an deren Opfer und Gegner sieht. […]


16. März 2010

MoPo

Topographie des Terrors soll transparent sein
Sabine Gundlach

Nach jahrzehntelangen Debatten, mehreren Wettbewerben sowie einem Baustart und einem -stopp wird am 6. Mai die Topographie des Terrors in Berlin eröffnet. 24,8 Millionen Euro hat der Neubau gekostet. Morgenpost Online begleitete den Direktor der Stiftung, Andreas Nachama, auf einem Rundgang durch das NS-Dokumentationszentrum.

Andreas Nachama ist zufrieden, die Zeit des Provisoriums ist vorbei. Nach jahrzehntelangen Debatten, drei Wettbewerben, einem Baustart und -stopp, wird jetzt im dritten Anlauf endlich das neue Dokumentationszentrum der Topographie des Terrors am 6. Mai eröffnet. „Dieser Bau ist in seiner zulässigen Ästhetik genau das geworden, was die Stiftung wollte – ein Dokumentationszentrum, das das Gelände nicht überformt und den Ort in den Mittelpunkt stellt“, sagt Nachama.

Der Direktor der Stiftung der Topographie des Terrors sitzt in seinem lichten, aber karg möblierten Büro im Untergeschoss des Neubaus an der Niederkirchner Straße. Anfang März haben Nachama und die 17 Mitglieder seines Teams die Räumlichkeiten des neuen NS-Dokumentationszentrums bezogen, in dem derzeit die letzten Vorbereitungen für die Eröffnung laufen.

20 Computer müssen noch in der Bibliothek installiert, das Podium im Veranstaltungssaal aufgebaut und die Rahmen in der 800 Quadratmeter großen und hellen Ausstellungshalle mit 600 Fotos und Dokumenten bestückt werden. Knapp 30.000 Bücher und Medien werden erst Mitte April in der Bibliothek im Untergeschoss eingeräumt. Der Bestand im bisherigen Domizil an der Stresemannstraße 111 soll noch so lange wie möglich genutzt werden können.

„Das Wichtigste ist die Transparenz, man sieht hier an fast jeder Stelle, wo man ist“, sagt Andreas Nachama beim Rundgang durch den nüchternen Neubau aus grauem Sichtbeton und Glas. Der 58-Jährige zeigt auf die großen Fensterflächen, die von fast allen Standpunkten im Inneren des Hauses Ausblicke auf das 4,5 Hektar große Areal ermöglichen.

Das wichtigste Exponat ist der Ort der Täter
Der „Ort der Täter“, das Gelände der einstigen Zentralen des nationalsozialistischen Terrorregimes, ist denn auch nach wie vor „das wichtigste Exponat, das wir haben“, so Nachama.

Dass das neue Dokumentationszentrum im Bemühen um einen zurückhaltenden Auftritt dennoch eine eigene Ästhetik habe, betrachtet Andreas Nachama ganz nüchtern „als Preis für das Ende des Provisoriums“.

Als „schwebenden und transparenten Pavillon“ bezeichnet Nachama den Bau der Architektin Ursula Wilms vom Berliner Büro Heinle, Wischer und Partner. Doch das quadratische Dokumentationszentrum wirkt von außen längst nicht so transparent wie von innen. Im Gegenteil, die grau-silberne Außenhaut aus Metalllamellen betont äußerlich eher das Zweckmäßige des Flachbaus. Die Lamellen sollen verhindern, dass sich der gläserne Pavillon im Sommer aufheizt.
Innen aber präsentiert sich das Gebäude durchaus offen und großzügig. Mit bislang jährlich bis zu 500.000 Besuchern ist diese Großzügigkeit auch erforderlich. […]


14. Januar 2010

Katholische Presseagentur Österreich

Dresden: Friedensgebet und Menschenkette gegen Neonazi-Demo
Mit Friedensgebeten und einer Menschenkette wollen am 13. Februar in Dresden viele Prominente zusammen mit Bürgern der Stadt gegen einen Aufmarsch von Rechtsextremisten protestieren. Die 1,5 Kilometer lange Kette um die historische Altstadt solle ein "positives Zeichen für Versöhnung und Toleranz" sein, kündigte Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz an. In der Elbestadt werden am 13. Februar rund 6.500 Neonazis erwartet. Wie in den vergangenen Jahren nehmen sie den Jahrestag der Bombardierung Dresdens 1945 zum Anlass für den Aufmarsch.

Einen "Aufruf zum Friedensgebet für alle Menschen guten Willens" haben zahlreiche Prominente unterschrieben. Unter ihnen sind Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse, die Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg, Dagmar Reim, der ehemalige Sprecher der Bundesregierung und jetzige Vorstandsvorsitzende des Vereins "Gesicht zeigen", Uwe-Karsten Heye, sowie der Direktor der Stiftung "Topographie des Terrors", Andreas Nachama. [...]


14. Janaur 2010

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Verseuchtes Gelände
Der Neubau der Berliner Topographie des Terrors ist nahezu fertiggestellt. Ein erster Rundgang.
Bernhard Schulz

Flach liegt der Neubau der Topographie des Terrors inmitten des historisch kontaminierten Geländes. Andreas Nachama, der Direktor der Stiftung Topographie, weist den Weg durch den Hintereingang; oben wird gerade die Eingangsterrasse montiert. Im Inneren tun sich erstaunlich lichte Räume auf, und durch die vorgehängten Sonnenblenden lässt sich zwar kaum hinein-, gut aber hinausblicken: da die Wilhelmstraße, da das ehemalige Reichsluftfahrtministerium und davor der Rest DDR-Mauer, links das Abgeordnetenhaus, ein Bau der Kaiserzeit. Mehr deutsche Geschichte ist kaum sonst in Berlin. Mehr NS-Belastung schon gar nicht.

[…]„Es war die schlimmste Zeit meines Lebens“, denkt Nachama an die quälende Auseinandersetzung um den ästhetisch höchst beeindruckenden, nur leider nicht realisierbaren Vorgängerentwurf des schwierigen Schweizers Peter Zumthor zurück. Die bereits in Beton gegossenen Treppentürme mussten abgerissen, ein neuer Wettbewerb musste gestartet werden. Und von 38 Millionen Euro, die Bund und Land für den Neubau, den eigentlichen Erstbau der Topographie bewilligt hatten – ursprünglich waren es 38 Millionen DM, also wertmäßig die Hälfte –, waren 12,2 Millionen nutzlos vertan.

Von den restlichen 24,8 Millionen Euro aber ist nun ein höchst funktionales, in seinem zurückhaltenden Auftreten der Bürde des Ortes angemessenes Gebäude entstanden. Um den 8. Mai herum soll es eröffnet werden, wie Nachama dem Tagesspiegel erläutert. Ende Februar soll der Umzug aus den Mieträumen der Stiftung anlaufen, die Bibliothek bleibt bis 10. April am bisherigen Standort Stresemannstraße 111 geöffnet.

Von dort blickt Nachama auf den Martin-Gropius-Bau, in dessen Schatten 1987 der erste, spontane Anlauf zu dem getan wurde, was heute als Stiftung Topographie des Terrors aus Berlin nicht mehr wegzudenken ist. „Trotz Eis und Schnee – die Leute kommen“, zeigt sich Nachama zufrieden mit dem wetterunabhängigen Interesse für den Ort der Täter, dessen Spuren hier zu ergründen sind, von Mai an mit einem Geländerundgang mit 15 Stationen, die die Vor-, aber auch die Nachgeschichte des „Dritten Reiches“ einbeziehen. Schließlich dräut der Mauerrest ausgerechnet über den Fundamenten der Gestapo-Zentrale an der einstigen Prinz-Albrecht-Straße. […]


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